Bertelsmann Stiftung

Stuttgart - Stabsstelle für Integration

Demographie-Profil:

Bundesland

Baden-Württemberg

Bevölkerung (31.12.2008)

600.068

Entwicklung 2001-2008 (in %)

2,2

Entwicklung 2006-2025 (in %)

2,3

Ausländeranteil (in %)

23,1

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Landeshauptstadt Stuttgart versteht sich als eine internationale Stadt. Rund ein Drittel der Bevölkerung wurde im Ausland geboren, über 40 Prozent der Kinder im Vorschulalter stammen aus Einwandererfamilien. In der Stadt leben Menschen aus mehr als 170 Nationen und sprechen über 120 Sprachen. Laut Mikrozensus 2005 haben in Stuttgart 40 Prozent aller Einwohner/innen einen Migrationshintergrund. Stuttgart hat damit den größten Migrantenanteil unter den 16 deutschen Großstädten (auch bei rückläufigem Ausländeranteil).
  • Der demographische Wandel würde ohne Zuwanderung zu einer Überalterung der Stadtgesellschaft führen: Derzeit gibt es in 82 Prozent der Stuttgarter Haushalte keine Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – ohne Zuwanderer gäbe es nur noch in 10 Prozent der Haushalte in Stuttgart Kinder und Jugendliche.
  • Die Stadt ist Zentrum eines starken Wirtschaftsraums und profitiert von den Auswirkungen der Globalisierung. Zahlreiche internationale Unternehmen, deren Mitarbeiterschaft auf allen Ebenen internationaler wird, haben ihren Sitz in der Region.
  • Die Stadt hat die Herausforderungen, aber auch Chancen der Globalisierung und des fortschreitenden demographischen Wandels erkannt: Beim Thema Integrationspolitik geht es in Stuttgart um Internationalität als Standortfaktor und um Qualifizierungspotenziale in Zeiten des demographischen Wandels.

Ziel:

  • Ziel des „Stuttgarter Bündnisses für Integration“ ist es, die Partizipation und Chancengleichheit von Migranten zu fördern, den sozialen Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben zu sichern sowie die kulturelle Vielfalt als Ressource zu nutzen. Dabei wird Integrationspolitik auch als Standortfaktor der Stadt im globalen Wettbewerb um internationale Unternehmen und die besten Köpfe verstanden.

Strategie:

  • Das „Stuttgarter Bündnis für Integration“ soll nicht nur Leitbild, sondern auch Maßnahmenpapier und politischer Auftrag sein. Integration wird dabei als Zukunftspolitik einer Großstadt im globalen Wettbewerb verstanden.
  • Das Konzept wurde in einem „Top Down“ Prozess entwickelt, durch den Gemeinderat verabschiedet und ist politisch verbindlich. Unterstützt wurde der Prozess durch das persönliche Engagement des Oberbürgermeisters Dr. Wolfgang Schuster und durch die Schaffung der Stabsstelle für Integrationspolitik.
  • Durch das Konzept sollen alle betroffenen Akteure der Stadt eingebunden und neue Partner gewonnen, Integration als Querschnittaufgabe in der Verwaltung etabliert und die Bürger für das Thema sensibilisiert werden.
  • Dadurch soll langfristig die Integrationspolitik der Stadt als Gesamtstrategie in allen bereichen des öffentlichen Lebens in Stuttgart verankert, umgesetzt und weiterentwickelt werden.

Meilensteine:

  • 2001: Verabschiedung des integrationspolitischen Gesamtkonzepts „Bündnis für Integration“ durch den Gemeinderat der Stadt Stuttgart.
  • 2002: Verabschiedung des Maßnahmepapiers zur Umsetzung des Strategiepapiers durch den Gemeinderat.

Akteure:

  • Stabsabteilung für Integrationspolitik
  • Ämter der Stadtverwaltung
  • Mitglieder des Gemeinderats
  • Wohlfahrtsverbände
  • Zuwanderergruppen
  • Migrantenkulturvereine
  • Bürgerschaft
  • Weitere betroffene Akteure

Umsetzung:

  • Das Stuttgarter Konzept „Ein Bündnis für Integration“ wurde 2001 mit wissenschaftlicher Unterstützung in einem zehnwöchigen Prozess erstellt und durch den Gemeinderat verabschiedet.
  • Das Stuttgarter Integrationskonzept ist als Synthese aus „leadership“ und „community involvement“ angelegt. Inhaltlich verbindet es die Aspekte von Integration als Herstellung von Chancengleichheit und „community building“.
  • Das Konzept definiert Zielgruppen und insgesamt zehn Handlungsfelder für die Umsetzung der Integrationspolitik(» http://www.stuttgart.de/sde/menu/frame/ns_top_11021_11041.htm):
    • Sprachförderung für Neu- und Altzugewanderte
    • Sprach- und Bildungsförderung in den Kindertagesstätten
    • Chancengleichheit in Schule und Ausbildung
    • Berufliche Integration
    • Integrationskompetenz durch interkulturelle Ausrichtung der Verwaltung
    • Integration und Partizipation in den Stadtteilen
    • Interkulturelle und internationale Orientierung
    • Religiöser Dialog
    • Politische Partizipation
    • Öffentlichkeitsarbeit
  • In einem zweiten Schritt wurden in einem zweijährigen Prozess mit Amtsleitern und Bezirksvorstehenden Handlungsbedarfe und Zielvereinbarungen erarbeitet, um den damit verbundenen Fortbildungsbedarf zu klären und die notwendigen Ressourcen und Planstellen zu bestimmen. Dadurch sollte das konzeptionelle Ziel erreicht werden, alle Verwaltungsressorts dazu zu verpflichten, Integrationsaufgaben zu übernehmen.
  • Die zentrale Koordination liegt bei der Stabsabteilung für Integrationspolitik, die Verantwortung, die Angebote auf die Lebenssituation von Migranten einzustellen, jedoch bei den Fachämtern und Dienststellen.
  • Der dritte Schritt bestand darin, die Verbindung zum „Bottom - up Ansatz“ herzustellen. Hierzu wurden mit den Partnern aus Verwaltung, freier Trägerschaft und Migrantenselbstorganisationen Maßnahmenschwerpunkte entwickelt. Die notwendige Vertrauensarbeit mit den Akteuren und der Bürgerschaft wurde auch in mehreren zentralen Veranstaltungen aufgebaut.
  • Die Integrationsarbeit und das Integrationskonzept werden in einem permanenten Prozess konzeptionell, fachlich und auch finanziell weiterentwickelt. Derzeit wird an einem umfassenden Evaluations- und Controllingsystem (Entwicklung von Kennzahlen) gearbeitet.

Bürgerbeteiligung:

  • Das Bündnis für Integration wurde in mehreren zentralen Veranstaltungen mit der breiten Öffentlichkeit diskutiert.
  • Zahlreiche Programme der Stadt können nur durch den breiten Einsatz bürgerschaftlichen Engagements erbracht werden. Bürger werden für projektbezogenes Engagement direkt durch Stellen der Stadt angesprochen, ebenso werden die Kompetenzen intermediärer Akteure z. B. in Form von Lotsen genutzt und gefördert.

Finanzierung:

  • An finanziellen Mitteln stehen jährlich ca. 2,6 Mio. Euro für gezielte Integrationshilfen zur Verfügung. Darin sind auch 140.000 Euro für die kommunale Sprachkursförderung mit enthalten.
  • Hinzu kommen 600.000 Euro pro Jahr für Sprachfördermaßnahmen in den Kindertagesstätten (flächendeckender Umbau der Kitas von Betreuungs- zu Bildungseinrichtungen bis 2012 nach dem Modellprojekt „Einstein in der Kita“).

Erfolge:

  • Das „Stuttgarter Bündnis für Integration“ hat sich als politischer Auftrag an die ganze Stadt verfestigt und es herrscht ein Konsens im Gemeinderat über die integrationspolitischen Aufgaben. Integrationspolitik wird in der Stadt allgemein als eine Investition in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Stadt gesehen.
  • Daneben hat das Konzept internationale Anerkennung erfahren. Der Europarat hat das Bündnis in wesentlichen teilen zu seiner offiziellen Politik gemacht. Daneben wurde die Stadt durch die UNESCO mit dem „Cities for Peace“ Preis 2004 gewürdigt.
  • Die Stadt hat den von Bertelsmann Stiftung und Bundesministerium des Innern initiierten Wettbewerb „Erfolgeiche Integration ist kein Zufall“ in der Kategorie Großstadt gewonnen.

Kontakt:

Gari Pavkovic
Leiter der Stabsabteilung für Integrationspolitik
Eberhardstr. 61
70173 Stuttgart
Tel: 0711/216-7896
› E-Mail

Weitere Informationen:

  • www.stuttgart.de
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005. S. 17

Stand: September 2006

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Gari Pavkovic
Leiter der Stabsabteilung für Integrationspolitik
Eberhardstr. 61
70173 Stuttgart
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